Stellungnahme der AG Kath. Verbände zur pastoralen Situation im Erzbistum Köln

von Manja Seelen

Wir erleben daher schmerzlich, dass viele Menschen der Kirche den Rücken kehren, passiv werden oder sogar offiziell den Austritt vollziehen.

Wir wollen in die Gesellschaft hineinstrahlen

In den katholischen Verbänden im Erzbistum Köln versammeln und engagieren sich rund 175.000 Menschen jeden Alters auf der Basis ihres christlichen Glaubens. Das Leben in den Verbänden ist geprägt von solidarischer Gemeinsamkeit und dem Wunsch, in die Welt hinein zu wirken, als christliche Gemeinde sichtbar zu werden und andere einzuladen.
Menschen in großer Vielfalt bringen ihre Begabungen und Fähigkeiten ein, um im Geist der christlichen Grundwerte miteinander zu leben und als Gemeinde wirksam zu sein.
So können in den zahlreichen Jugendverbänden viele Kinder und Jugendliche einen Teil ihres Alltags gemeinsam erleben und Gemeinschaft im Glauben erfahren. Bei den Erwachsenenverbänden finden Familien, Einzelpersonen und Ältere eine Heimat.

Für alle Verbände gilt, dass sie in die Gesellschaft hinein strahlen wollen: Gesellschaftspolitisches Engagement und die Mitwirkung in öffentlichen politischen Strukturen gehören zu den traditionellen Zielen der Verbände.

Leidvoller Vertrauensverlust

Wir erleben daher schmerzlich, dass viele Menschen der Kirche den Rücken kehren, passiv werden oder sogar offiziell den Austritt vollziehen. Viele engagierte Katholikinnen und Katholiken werden vermehrt kritisch gefragt, weshalb sie noch zur Kirche gehören wollten, und ihrem Bekenntnis zur Gemeinschaft der Glaubenden wird häufig mit Unverständnis begegnet. Die katholische Kirche, insbesondere die Bistumsleitung im Erzbistum Köln, erlebt durch die Vorgänge in der Vergangenheit, aber auch durch aktuelle Probleme einen leidvollen Vertrauensverlust.

Dabei leiden wir besonders unter dem jetzt sichtbar gewordenen Ausmaß des Missbrauchs in unserer Kirche, und darunter, dass auf diesen viel zu lang nicht angemessen reagiert wurde und noch immer nicht wird. Wir sind beschämt über das große Leid, das den Betroffenen, insbesondere Kindern und Jugendlichen, ausgerechnet im Raum der Kirche widerfahren ist, und auch darüber, dass eine (materielle) Anerkennung der Verletzungen und Entschuldigungen immer noch nicht ausreichend erfolgt ist.

Wir nehmen erschüttert wahr, dass es in unserer Kirche in solchem Ausmaß zu moralischem Versagen, Vertuschung, Verdrängung und fehlender Verantwortungsbereitschaft gekommen ist. Bis heute wird der Maßstab von Schuld und Unterlassung an Funktionen und Aufgabendefinitionen geknüpft, obwohl sich jeder, der im Wissen um solche Verbrechen geschwiegen hat, schuldig gemacht hat. Die bisher geschehene Aufarbeitung durch die Bistumsleitung weist viele Defizite auf und kann nur der Anfang eines sorgfältigen Prozesses sein.
Getaufte und Gefirmte wollen Verantwortung übernehmen und das Gesicht der Kirche in der Welt sein: Dafür muss ihnen Vertrauen entgegengebracht werden. Offene, rechtzeitige und ehrliche Informationen müssen dafür sorgen, dass ein gemeinsamer Weg der Kirche in die Zukunft gelingt. Nicht nur im Kontext des Missbrauchsskandals ist die Kommunikation zwischen der Bistumsleitung und den Gläubigen meist nicht zufrieden stellend: Fehlende Transparenz und mangelnde Gesprächsbereitschaft haben Vertrauen zerstört.

Die Stimmen und Voten der Verbände fließen nicht in die Entscheidungen der Bistumsleitung ein

Die Vertreterinnen und Vertreter der Verbände im Diözesanrat und im Diözesanpastoralrat beklagen immer wieder, dass ihre Stimmen und Voten nicht in Entscheidungen einfließen und sie oft viel zu kurzfristig oder unzureichend informiert werden. Ein Dialog auf Augenhöhe wird dadurch erschwert oder unmöglich gemacht. Meinungsbilder im Pastoralrat hatten mehrfach keine Auswirkung auf die tatsächlichen Entscheidungen in einer Sache.

Gerade beim „Pastoralen Zukunftsweg“ brauchen wir eine echte Beteiligung der Menschen vor Ort und ehrliche Informationen über Ziele, Zwänge und Möglichkeiten in der Zukunft. Dabei dürfen auch die Notwendigkeit, Personal und finanzielle Mittel einzusparen und Organisationsprozesse zu modernisieren nicht unerwähnt bleiben: Nur so werden die Menschen in den Gemeinden und Verbänden Willens sein, die Aufgaben der Zukunft gemeinsam zu bewältigen.

Kritik ist nicht erwünscht oder wird sogar bestraft

Wir glauben, dass die Strukturen in unserem Erzbistum und damit einhergehende Machtverhältnisse eine wesentliche Rolle dabei spielen, dass dieser gemeinsame Weg zurzeit nicht gelingt: Zu oft wird Macht restriktiv eingesetzt. Zuständigkeiten sind intransparent oder durch eine Kirchenhierarchie begründet, die in der Kirche im 21. Jahrhundert auf Unverständnis bei den Gläubigen stößt. Es entsteht bei den aktiven Katholikinnen und Katholiken zu oft der Eindruck, dass Kritik nicht erwünscht ist oder sogar bestraft wird: ein ungutes Gefühl von Abhängigkeit einerseits und Nicht-ernst-genommen-werden andererseits hat bereits Viele dazu gebracht, sich aus ihren Gemeinden oder den Verbänden zurückzuziehen.
Für die Zukunft brauchen wir daher eine offene und transparente Kommunikation zwischen der Bistumsleitung, den Ortspfarrern, den Pastoralen Diensten und den Gläubigen vor Ort. Wir sind bereit, Verantwortung zu übernehmen. Dafür benötigen wir die ehrliche und durch Übertragung von Leitungsaufgaben unterstützte Anerkennung, dass Laien und Ehrenamtliche mit ihren jeweiligen Kompetenzen wesentlich dazu beitragen, dass Kirche in Verbänden und Gemeinden sichtbar für die Welt lebendig bleibt.

Als Zusammenschluss der bischöflich anerkannten Verbände vertritt die AGKV heute 30 Mitgliederorganisationen, von denen einige selbst wiederum Dachverbände mehrerer eigenständiger Untergliederungen sind. Die AGKV versteht sich als Forum des Austausches unter den Verbänden und zur Bündelung und Wahrnehmung gemeinsamer Interessen der katholischen Verbandsarbeit im Erzbistum Köln. Dazu gehören die Erarbeitung und Vertretung gemeinsamer gesellschaftspolitischer Positionen und die Mitgestaltung der Zusammenarbeit zwischen Verbänden und kirchlichem Lehramt. Ebenso ist die AGKV ein Ort, an dem neue Impulse für die inhaltliche und strukturelle Weiterentwicklung der Verbandsarbeit und des Laienapostolats entstehen und ausgetauscht werden.


Pressekontakt:

Annika Jülich, Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft katholischer Verbände, AGKV c/o BDKJ in der Erzdiözese Köln
Steinfelder Gasse 20-22
50670 Köln
0221/1642 6423

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